Alltagsgewächs

Wenn Blumen voll aufblühen ist alles schön, alles ist gut und bunt und herrlich frisch. Ich kaufe manchmal extra noch die geschlossenen Blumen, damit ich den Moment des Erblühens mitbekomme, das Naturspektakel hautnah erlebe. Dieses Zusammenspiel von Sein und Werden. Ein Balanceakt irgendwie. Genauso wie das Leben.

Zunächst ist alles frisch, knackig, geschlossen. Zaghaft öffnet sich die erste Knospe, man erahnt die Schönheit hinter den noch etwas farblosen Blättern. Man freut sich, man ist erregt. Immer mehr Blüten zeigen sich, man ist euphorisiert und möchte gar nicht aufhören immer wieder daran zu riechen, die Blüten zu liebkosen, diese Pracht zu bestaunen. Wenn dann der ganze Strauß erblüht ist, tanzt man voller Enthusiasmus um den Tisch herum, freut sich darüber, wie wunderbar doch dieses Leben ist, so herrlich diese Farben. Dieses Hochgefühlt hält für eine gewisse Zeit.

Man verhält sich sorgsam, ja man geht fast auf Zehenspitzen durch das Zimmer in dem der Blumenstrauß auf dem Tisch steht, voller Ehrfurcht und Liebe betrachtet man ihn und denkt sich immer wieder, wie schön er doch ist. Bisweilen fragt man sich, womit man diese Schönheit eigentlich verdient hat. Um nichts in der Welt möchte man den Blumenstrauß wieder hergeben.

Nach ein paar Tagen schon hat man sich an die Schönheit gewöhnt. Man ist nicht mehr übermütig sprudelnd, man freut sich still, wenn man zufällig am Tisch vorbeigeht und die Stängel aus der Vase lupfen. Die Aufmerksamkeit lässt nach. Man hat sich gewöhnt. Der Strauß ist nun fast schon alltäglich geworden. Immer noch ohne Frage gut anzusehen. Ein Stück Beständigkeit, für einen kurzen Moment.

Irgendwann aber beginnt man zu vergessen den Blumen frisches Wasser zu geben und die schon verblühten Knospen aus dem Strauß zu schneiden. Unachtsamkeit drängt sich in den Vordergrund. Man schaut nicht mehr ganz so sorgfältig darauf, dass alles ordentlich und hübsch ist. Dabei ist es gerade im Alltag so wichtig, die Hege und Pflege nicht zu vernachlässigen. Durch außergewöhnliche Belastungen und Ablenkungen verblassen die schönen Seiten des Lebens schnell und der täglichen Routine, sich sorgfältig um etwas zu kümmern, wird nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Blumen verblühen, der Strauß wird unansehnlich und dann irgendwann weggeschmissen. Nichts hält ewig, das ist klar. Aber es ist ein Kreislauf, Dinge kommen und Dinge gehen. Und wenn der Blumenstrauß auf dem Tisch verblüht, sollte man Sorge tragen und ihn erneuern. Einfach des guten Gefühls wegen. Um wieder tanzen zu können.

Ich habe meine Blumenvase für eine lange Zeit verwaist stehen lassen. Ohne Blumen. Ohne Farben. Stress hat mich abstumpfen lassen gegenüber den Freuden des Alltags. Es gab für mich nur noch Probleme des Alltags, mein Farbfilm war plötzlich nur noch schwarz-weiß. Der Mangel an Zeit und Entspannung machte sich bemerkbar. Ich kam nicht mehr runter von meinem Trip, die Kohlezeichnungen meines Lebens nicht mehr zu kolorieren, sondern sie immer fetter mit schwarzen Strichen zu manifestieren, bis darauf nichts mehr zu erkennen war.

Es wird wieder Zeit für einen großen, bunten Blumenstrauß. Dieses ist ein Geschenk. Und ein Versprechen. Lasst uns Alltagsblumen pflücken und lernen, uns daran nicht sattsehen zu können. Jeden Tag.

Elefantenpelle

Äußerlich nähere ich mich immer mehr der Form eines dieser großen, grauen Tiere an, Dickhäuter genannt. Ich schaffe mir eine dicke Haut an, einen Rettungsring um die Hüften, selbst meine Beine erinnern zur Zeit eher an kurze Baumstämme als an endloslange Stelzen. Innerlich sieht es da ganz anders aus. Mein Innenleben scheint so fragil zu sein wie die Flügel eines Schmetterlings. In der Farbe eines Zitronenfalters. Hell, durchscheinend, zerbrechlich, milchig. Wenn man meine Seele gegen das Licht halten würde, wäre es als würde man durch eine Membran schauen, von beiden Seiten durchlässig. Dabei wünschte ich mir momentan, dass meine Seele nur semipermeabel wäre. Oder noch besser, selektiv permeabel.

Es dringt viel zu vieles bis in mein Innerstes durch. Viel zu viel tropft aus mir heraus, welches besser ungesagt, unveröffentlicht, unscheinbar und belanglos in mir drin geblieben wäre. Der Bagelmann und ich haben letztens darüber gelacht, als ich mich wieder einmal wie so oft jemandem gegenüber in Erklärungen verloren habe, dem eine einfache Information durchaus gereicht hätte. Und so ist es immer. Ich zeige zu viel von mir, lasse mein Innerstes durchscheinen, meine Nerven aufblitzen. Meine Flanke ist offen und ungeschützt, durch die fehlende Bauchmuskulatur noch verletzlicher als sonst, denn Bauchfett schützt nicht vor Tiefschlägen.

Ein weiteres Merkmal, welches ich mit den großen grauen Tieren teile ist mein phänomenales Gedächtnis. Ich vergesse nichts, ich merke mir alles, besonders die schlechten Dinge die passiert sind. Aber anders als meine tierischen Verwandten bin ich auch noch nachtragend. Keiner ist von mir entzückt, wenn ich mit meinem großen Rüssel die bereits schon längst vergangenen Streitigkeiten herumposaune, anstatt brav meine Erdnüsse aufzusaugen und den edlen Spendern hinterherzulaufen und auch noch nach Minuten den Augenkontakt zu behalten, um vielleicht noch mehr Leckereien zu ergattern.

Ich sitze in meiner Ecke im Porzellanladen und mag mich nicht mehr bewegen. Jede Bewegung birgt die Gefahr an etwas zu stoßen, etwas umzuwerfen, alles kaputtzumachen. Die Menschen in meiner Umgebung schleichen mittlerweile um mich herum, darum bemüht, mich und mein aufbrausendes Ich nicht aufzuscheuchen, denn ist der Dickhäuter erstmal in Bewegung, geht das schönste Tafelservice im Laden in Minutenschnelle zu Bruch. Erdnüsschen gab es schon lange nicht mehr. Ich wünschte mir raus aus meiner Elefantenpelle zu kommen und auch die anderen dickhäuterischen Attituden abzulegen. Ich wünschte mir, wieder anders zu sein.
Wäre ich z.B. wie ein Astronaut, dann würde ich in erster Linie leichter sein. Nicht dünner oder so, sondern alles wäre durch die Schwerelosigkeit aufgehoben. Nichts ist mehr fest, alles schwebt. Ich würde durch das All gleiten und die Erde aus der Entfernung als Ganzes betrachten

Ich möchte klüger sein und nicht mehr so aufbrausend. Ich möchte noch fröhlicher sein, als ich es jetzt meistens schon bin. In kritischen Situationen möchte ich leicht wie ein Schmetterling dahinfliegen, alle Wogen glätten und wie ein geübter Tänzer auf dem Seil balancieren. Ich möchte weise sein und ruhig bleiben, wenn der Sturm kommt. Ich möchte lieben und leben, so einfach wie ein Kinderspiel. Ich möchte träumen und denken und mich dabei verlieren in der bunten Wirklichkeit meiner Welt. Ich möchte wohlmeinende Worte sagen, nicht mehr böse und gemein sein. Ich möchte mit liebevollen Ohren hören, mit offenem Herzen aufnehmen, mit klarem Verstand begreifen, was man mir mitteilt.

Ich möchte aus den Lebenskreisen eine Spirale formen. Ein buntes Windspiel, das sich um die eigene Achse dreht. Und an die Seitenränder hänge ich Glitzerbänder und Lametta, welches sich in der Sonne spiegelt.

Aufhören. Sofort aufhören damit!

Hört auf. Sofort! Hört Ihr nicht?

Hört auf mit dem Schreiben von Kommentaren in den sozialen Netzwerken, wer Schuld an der Eskalation der Gewalt in Hamburg in diesen Stunden ist. Ich hoffe, es bleiben Stunden und werden nicht Tage, aber ich wage es kaum mehr zu glauben, denn wie sollen wir die Gewalttäter denn nun wieder los werden? Der Mob ist entfesselt und alles wird kaputt gemacht. Die gehen doch jetzt nicht mehr auf Demonstrationen, wo man sie zusammen sieht, die ziehen gerade in kleinen Grüppchen durch die Stadt und heute Abend wird es weiter brennen. Der Schlachtruf „Macht kaputt was Euch kaputt macht“ bezieht sich momentan nicht mehr auf Finanzhaie oder Börsenspekulanten, auf korrupte Staatslenker oder Diktatoren in Nadelstreifen. Nein, momentan leidet der kleine Laden in Eimsbüttel mit Kinderspielzeug, dessen Scheiben eingeworfen wurden oder der abgebrannte Kleinwagen eines grade mal mit seinem Einkommen auskommenden Mitbürgers, der in der Elbchaussee geparkt hat, weil er im benachbarten Ottensen keinen Parkplatz gefunden hat. Macht kaputt, was Euch kaputt macht. Echt jetzt? Es reicht. Hört auf. Sofort!

Aber zurück zu den Schreibern auf Facebook und Co. (in solchen Momenten brauche ich glaube ich mal wieder eine selbst verordnete Social Media Diät, ich ertrage es fast nicht mehr, was da alles so aus einigen Menschen herauskommt, lese es mir aber immer wieder durch). Ich bekomme widerliche Hautrötungen, wenn ich lese wie einige Menschen über „Polizeistaat“ und „Polizeigewalt“ schreiben. Auf einmal sind alle ganz politisch aktiv, links sowieso, weil gehört ja heutzutage mit zum guten Ton, wenn man ein 5-Zimmer Loft in der Schanze bewohnt. Hier geht ja echt auf einmal was und die Beginner haben gestern ja auch ein Sponti-Konzert gegeben. Geil. Und wir alle so mittendrin. Worum geht es hier? Ach ja, G20, wofür steht das? Keine Ahnung? Ach so. Es geht mir so gegen den Strich, wenn ich lese, wie sich Menschen fast schon radikal äußern, nur weil sie jemanden kennen, der jemanden gesehen hat, der gestern Abend auf der „Welcome to Hell Demo“ mitbekommen hat, wie die Polizei als erstes angefangen hat. Sie selbst waren ja weiter hinten im Demozug und da war ja alles friedlich. Aber, die Polizei hat angefangen.

Ich war nicht dabei. Aus gutem Grund. Zu dem komme ich vielleicht später noch. Aber ich sage: die Polizei hat zu Recht eingegriffen. Die Exekutive MUSS zu jeder Zeit geltendes Recht verteidigen! Ob es mir passt oder nicht. Es gilt immer und überall bei Demonstrationen das VERMUMMUNGSVERBOT und wenn die Veranstalter es auf ihrer genehmigten Demo NICHT hinbekommen, dass sich diese friedfertigen so genannten Autonomen keine Mütze über die Visage ziehen, dann ist halt Ende Gelände und zwar superpronto.

Ich bin ebenfalls der Meinung, wer auf solch einer Demo in seinen 180 Euro teuren NewBalance Sneakern* neben radikalen und gewaltbereiten so genannten Autonomen mit läuft und dann hinterher wenn die Hütte brennt meint, dass es schick ist, ACAB zu brüllen, aber währenddessen nicht den Mund aufbekommt und den Vermummten entgegentritt, der hat es nicht kapiert. DAS wäre für mich eine ebenso sinnvolle Meinungsmache wie mein selbst gemaltes mit Einhornstaub bepinseltes Anti-Trump-Anti-Putin-Anti-Erdogan-Wir-sind-gegen-Klimaerwärmung-für-mehr-Gerechtigkeit-in-der-Welt-Transparent. Warum gehe ich denn auf eine Demonstration? Weil ich (m)eine Meinung habe und diese öffentlich zur Schau trage. Und wer es auf so einer Demonstration billigend in Kauf nimmt, dass sich gewalttätige so genannte Autonome zur Bambule mit der Polizei bereit machen, der sollte bitte danach auch bereit sein, die Schanze zu fegen, die Brandschäden wegzuschrubben und den Einzelhandelsgeschäften beim Einsetzen der Fensterscheiben zu helfen! Oder wer absolut keine Zeit hat, ist ja unter den Hipstern heutzutage so, der kann Geld dafür sammeln (ich hätte da einen spitzen Hipster Tipp: Anstatt Geld zu versenken bei diesen ganzen geilen crowdgefundeten Fahrrädern oder anderem Equipment, was die Menschheit nur braucht, wenn es keine anderen wirklich wichtigen Themen mehr gibt, kann man doch auch eine Petition „Hipster-for-Brandschäden-Wiedergutmachung“ eröffnen. Und gecrowdfunded wird dann auch, damit Herr Meier in der nächsten Woche wieder einen fahrbaren Untersatz hat um zur Arbeit zu kommen. Sein Auto ist nämlich grade in Brand gesteckt worden. Von Euren Demonstrationskumpeln!).
Rant. Entschuldigung. Ich atme ein. Ich atme aus. Om. 
Ich las vorhin unter anderem einen meiner Meinung nach völlig verblödeten, aber deshalb so sensationellen Satz, den ich hier nur andeutungsweise wiedergebe und der natürlich von meiner Meinung völlig gefärbt ist und von daher bestimmt der Dame die ihn geschrieben hat nicht gerecht wird (ismiregal, istmeinBlog!): „Hm, Vermummungsverbot, ok. ja, wenn das so ist, aber die Polizei ist trotzdem sofort so extrem eskalierend auf die Demonstranten losgegangen, das war völlig unrechtmäßig. Da hätte ich doch lieber weggeschaut und die halt vermummt weiterlaufen lassen, als dann so was zu riskieren.“ Nein, falsch. Setzen. Sechs. Es ist nicht Schuld der Polizei, dass Autos in Brand gesteckt werden, oder Flaschen geworfen werden, oder dass jemand mit Straßenschildern gerade dabei ist, weitere Schaufenster in Altona zu zerstören. Die Vermummung war unrechtmäßig. Wenn ich demonstrieren gehe, dann zeige ich mein Gesicht. Oder ich bleibe zuhause und schreibe böse und hasserfüllte Kommentare auf Facebook und Co. Und denkt doch mal nach, Ihr Häschen mit Euren schicken Fjällräven Hipsterrucksäcken* und den Beaniemützchen: weil die so genannten Autonomen wissen, dass wenn sie ihre Sturmhauben nicht abnehmen, die Polizei einschreiten MUSS, nehmen sie sie ja nicht ab. Schon mal darüber nachgedacht? Wer war nochmal das Huhn oder das Ei und zuerst da?
Momentan habe ich so ein Ohnmachtsgefühl, mit radikalen Phantasien, welches mich am liebsten alle einsperren lassen würde, die Hipster zuerst und dann erst die so genannten Autonomen, sie dann alle ins demokratische Boot Camp zu bringen und ihnen dann genüsslich das Grundgesetz und das Strafgesetzbuch um die Ohren zu hauen.
Warum nur, können wir nicht einfach auch mal klein bei geben? Es gibt vieles, was im Vorfeld zu diesem G20 Gipfel unrechtmäßig gelaufen ist, von der Regierung, der Polizei, dem Hamburger Senat, den Behörden und Gerichten. Es hätte vieles besser laufen können. Das Problem ist meiner Meinung nur, dass sich niemand mehr an irgendwas hält, was meiner Meinung nach Recht und Ordnung ist. Und zwar grade auch von Seiten der Bevölkerung. Es geht uns so verdammt gut, wir wissen es nicht mehr oder können es nicht mehr wertschätzen, wie gut es uns geht. Und von daher finde ich es unrechtmäßig und völlig unverfroren sogar, wenn jeder meint auf einmal Opfer einer Polizeigewalt zu werden, nur weil er für ein paar Tage nicht mehr seine Alsterrunde joggen darf. Oder nach seinem Personalausweis gefragt wird, wenn er in der Nähe einer Sicherheitszone herumtigert, oder meinetwegen auch sein Handy zeigen muss. Das ist MEINE Meinung und die ist sicherlich auch total angreifbar und einige finden das was ich hier so schreibe bestimmt nicht richtig. Aber Polizeigewalt, echt jetzt mal, denken die Leute, die das gerade auf Facebook und Co. schreiben gerade wirklich oder meinen die nur, auf den ACAB Zug springen zu können, weil es grade so total hip ist? Was wirkliche Polizeigewalt ist, hat hoffentlich noch keiner von denen je erfahren und ich wünsche es auch niemandem. KEINEM MENSCHEN. NIE.
Schreibt, schreit und beleidigt in den sozialen Netzwerken bitte die so genannten Autonomen, welche den vielen friedlichen Demonstranten jetzt die Bühne genommen haben, die es viel mehr verdient hätten in den weltweiten Berichterstattungen vorzukommen als der marodierende Mob. Die vielen Bündnissen und Organisationen, die am Rande des G20 Gipfel ein Zeichen setzen wollen und deren tolle Aktionen jetzt nicht mehr gesehen oder gehört werden. Aber bitte bitte bitte, hört damit auf, die Schuld bei der Polizei zu suchen oder zu sagen: „Wir haben es doch gewusst, ein G20 Gipfel gehört nicht in so eine schlecht zu kontrollierende Stadt wie Hamburg.“ Das ist falsch. Er gehört entweder gar nicht auf diese Welt oder überall hin. Es geht darum, was daraus gemacht wird. Und meine Heimatstadt mit Freude und purem Spaß an der Randale zu zerstören, friedvollen Menschen den Platz auf der Weltbühne wegzunehmen, die nur ihre Sorgen, Ängste und Forderungen an die Regierungen dieser Welt zeigen wollen, gehört meines Erachtens nicht dazu.
Postscriptum:
Man darf keine Unterschiede machen bei der Ausübung von Gesetzen. Auch wenn es mir nicht passt und ich natürlich nach links sympathisiere und die Auseinandersetzung mit Vermummten, gewaltbereiten Fußballfans, Hooligans und so genannten Autonomen schon mein ganzes Leben erfahre, miterlebe und auch bei meinem Fußballverein dieses bei jedem Spiel ein Thema ist. Nur weil ich meine, dass die Demonstration richtig ist und ich möchte, dass demonstriert wird, es darf keinen Unterschied geben, Vermummung bei öffentlichen Kundgebungen ist und bleibt strafbar. Wenn man meint, sich bei linksgerichteten Demos anders verhalten zu müssen, „ist ja eher richtig, als das wofür die Faschisten laufen“, als bei rechtsgerichteten, wo ist dann unsere Demokratie. Es muss überall gleich hart durchgegriffen werden. Das Dumme hier ist nur: mittlerweile sind die Rechten so klug, nicht gleich alles in Schutt und Asche zu legen, wenn sie aufmarschieren. Das machen nur die „intelligenten“ Linken, die somit ihren Ruf und das wofür sie einstehen verspielen.

 

Mein Aufruf noch als Letztes: bitte postet Aktionen auf Eurer Timeline in den sozialen Netzwerken, die von den friedlichen Protesten erzählen. Die gut sind für uns und die Welt. Aber bitte keine Videos oder Rants mehr von brennenden Autos oder von der eskalierenden Gewalt.

ACAB bedeutet für mich schon immer: All Colours Are Beautiful. Und nichts anderes. Und ich gehe gerne mit jedem in die Diskussion darüber, persönlich versteht sich. Mein Angebot. Wisst Ihr, warum ich Essen und einen schönen gedeckten Tisch so liebe? Weil ich meine, dass jeder mit einem Glas Wein und ein paar Kleinigkeiten zu Essen friedvoller wird. Mit vollem Mund kann man nicht so gut Arschloch rufen. Von daher: geht zusammen Essen. Geht in die Dönerbude oder kauft Euch beim Penny eine Flasche Rotwein, ein paar Baguettes und eine Packung Kräuterfrischkäse. Und macht ein sit-in. Neben den Messehallen. Kauft eine Packung Bonbons und bietet dem Polizisten der Dienst hat auch einen an. Die Welt würde besser, auch nur für einen Moment, auch vielleicht nur für mich.

Mein Recht auf Versammlung ist ein Gesetz. Und das ist auch gut so.

*Ich habe übrigens auch ein paar NewBalance Sneaker und sogar zwei Hipster Fjällräven Rucksäcke. Nur der guten Ordnung halber. Falls mich jemand darauf festnageln will.

Altruistische Aufzugfahrt mit Anzugträger

Ich versuche ja täglich, die frohen Seiten des Pendlerlebens zu feiern und mir das meiste schön zu reden, es alles nicht so schlimm zu finden und die Anstrengung nicht zu überbewerten. Das gelingt mir auch ganz schön oft, wenn ich mich nicht gerade über Smombies aufrege. Ansonsten bietet das Pendlerleben aber auch genügend andere Dinge, über die man sich aufregen könnte, aber nicht muss. Nicht zwangsweise zumindest. Und dabei ist der Hauptaufreger, den man eigentlich sofort zuordnen würde wenn jemand erzählt, dass er täglich zwischen zwei Städten mit der Bahn pendelt, bei mir noch nicht mal dabei: die (Un-)Pünktlichkeit der Bahn. Da kann ich, knock-on-Wood, zum Glück nicht mitreden. Ich hatte in fast vier Monaten täglichen Pendelns bisher keine nennenswerten Verspätungen oder Zugausfälle und ich fahre eine Strecke, die von ganz hoch im Norden bis in den tiefsten Süden führt. Also nicht nur die Regionalbahn die in Bahnhof HB eingesetzt wird und an meinem Zielbahnhof HH auch endet. Das wäre ja viel zu einfach. Nein, ich pendle täglich mit dem Intercity und das auch nicht immer zu den selben Uhrzeiten, abends habe ich zwischen 16:45 und 22:45 Uhr bereits alle IC Verbindungen zwischen Hamburg und Bremen ausprobiert und es klappt wirklich ganz hervorragend. Mussjaauchmaljemandsagen. Sonst meckert ja jeder nur über die Unpünktlichkeit Bahn. Ich nicht, ich bin ein Bahnfan. Ich meckere „nur“ über meine Mitmenschen, die ich auf Bahnhöfen oder im Zug treffe. Und „treffen“ meine ich heute mal wortwörtlich.

Ich gönne mir mittlerweile den Luxus mein Faltrad, Hopsi genannt, nicht mehr die Bahnhofstreppen hoch und runter zu schleppen, sondern per Aufzug zu bewegen. Zu viele blaue Flecken am Oberschenkel und durchgeschwitzte Blusen, das ist einfach nicht schön. Und die Aufzüge sind ja auch für Leute wie mich da. Unter anderem. Und für Leute mit Rollkoffern. Und für die Bahnmitarbeiter mit der mobilen Minibar, die immer die Brezeln und kalte Getränke durch die Waggons schieben. Heute Morgen wurde ich von einer Dame abgekanzelt, weil (Achtung! Jetzt wird es verrückt) ich sie aus Versehen berührt habe, als ich Hopsi bewegt habe, um uns beide noch kleiner zu machen. Der Sachverhalt war wie folgt: Ich und ein anderer Herr stehen wie zwei Sardinen in Öl an der hinteren Aufzugwand, eine Dame und ein weiterer Herr, beide mit Rollkoffer, stellen sich auch noch dazu, der Letztgenannte versucht noch seine Frau irgendwie mit in den Aufzug zu bekommen, als eine sehr affektierte Dame sich einen Weg durch die anderen Wartenden schlängelt und sich noch vor der Ehefrau des Rollkoffermannes in den Aufzug drängelt und zwar indem sich mich und Hopsi noch weiter an die Wand schiebt. Als ich es mir daraufhin erlaubte, mich etwas zu bewegen, man muss ja auch atmen können, bekam ich einen sehr scharfen Seitenblick und den Satz: „Sie haben mich mit ihrem Fahrrad berührt!“ aus einem verkniffenen aussehenden Mund, bemalt in der Farbe „Chanel Rouge Allure“. Ich schaute zunächst perplex und fast auch ein wenig fassungslos, aber als gut erzogenes Hamburger Mädel entschuldigte ich mich natürlich, auch wenn ich nicht genau wusste, wo mein Fehler lag. Ich erlaubte mir den Hinweis, dass nicht ich mich an Sie herangeschmissen habe, sondern sie sich über alle Regeln des guten Benehmens hinweggesetzt hat, indem sie sich in den bereits mehr als vollgestopften Aufzug geworfen hat. Dass sie sich auch noch vorgedrängt hat, ließ ich unkommentiert. Ich gab auch noch zu bedenken, dass mein Fahrrad einzig und allein aus dem Grunde bewegt wurde, um ihr noch mehr Freiraum zu verschaffen, das wollte sie aber nicht mehr hören. Der Herr welcher mit mir zusammen als Erster den Aufzug bestiegen hatte, Ölsardinie 1, meinte nur zu mir, dass es sich nicht lohnen würde mich über diese Dame zu ärgern. Sie wäre schließlich diejenige gewesen, die Grund zum Ärgernis gab, aber „solche Menschen gibt es ja nun mal leider überall“. Er hat ja so Recht. Ich weiß ja, dass er Recht hat.

Also klappte ich meinen Mund zu, mein Fahrrad auseinander und rollte ins Büro. Radeln bringt ja oftmals was, auch eine kurze Strecke schafft es manchmal schon, das Mütchen zu kühlen und heute Morgen gab es in Hamburg ein frisches Lüftchen. Einigermaßen gefasst (ich gebe es zu, mich bringen solche Begegnungen zu leicht aus der Fassung, ich muss daran arbeiten ruhig zu bleiben) kam ich im Büro an. In dem Gebäude gibt es zwei Fahrstühle pro Aufgang und da unser Büro im 10. OG liegt, stand ich also erneut mit Hopsi vor einem Aufzug und wartete. Vor mir warteten zwei junge Damen mit Rollkoffern (heute muss irgendwas los sein, oder ist das ein neuer Trend? Ich sollte meinen Kånken-Rucksack an den Nagel hängen, Rollkoffer ist das neue musthave), als ein gut gelaunter junger Herr auch noch mit dazukam. Der Fahrstuhl hielt und öffnete seine Türen. Die beiden Damen rollten in den Fahrstuhl hinein und vom Eingang schoben sich noch drei weitere Damen an mir und dem jungen Herrn vorbei in den Aufzug. Ich traute mich auf Grund des ersten Vorfalls am Bahnhof nämlich nicht mehr so recht, mich mit meinem Fahrrad in die Kabine zu stellen, daher entschied ich zu Gunsten von noch zwei Nachzüglern, auf den nächsten Fahrstuhl zu warten. Der gut gelaunte junge Herr schmunzelte und meinte: „Ach, wissen Sie, ich warte einfach mit Ihnen und nehme auch den nächsten Fahrstuhl!“ und lachte dabei so herzlich, dass ich automatisch mit lachen musste. „Man kann ja auch mal altruistisch sein!“ verkündete er fröhlich, als ich sagte, dass ich das aber sehr freundlich von ihm finde.

Meine Kollegin erzählte mir heute Morgen, dass sie eine nicht so gute Anreise, ebenfalls mit dem Fahrrad hatte. Ihr wurde gleich von drei Autofahrern die Vorfahrt genommen und sie kam einigermaßen gestresst hier im Büro an. Ich wünschte ihr für den Nachhauseweg wenigstens einen netten Autofahrer und bin mir sicher, dass sie den auch treffen wird und spätestens dann wird der Ärger von heute Morgen für sie vergessen sein. Genauso war es nämlich bei mir, als mir die Begegnung mit dem gut gelaunten jungen Mann geschenkt wurde. Der Mensch denkt. Das Universum lenkt. Oder Gott, oder so.

 

Im Auftrag des Herrn

Heute Morgen durfte ich während der Arbeitszeit shoppen gehen. Ein Missverständnis zwischen meiner Kollegin und mir hat zu einer Ressourcenknappheit im Bereich der Trinkwasserversorgung geführt. Wir haben nämlich seit Kurzem einen Leitungswasserversprudeler, welcher das gute Hamburger Trinkwasser in köstlich gekühltes und auf Wunsch auch blubberndes Wasser verwandelt. Keine Kisten mehr stapeln, keine Pfandflaschen mehr abräumen. Mehr Platz in der Pantry, dieses Gerät spart Geld, Ressourcen und Nerven. So der Plan. Zunächst hatten wir erstmal nur zwei Pilot-Glaskaraffen angeschafft, welche dann für Meetings herhalten sollten. Darin hatte meine Kollegin ebenfalls zu Testzwecken auch schon ganz dekorativ Zitronenscheiben und frische Minze ertränkt, um die KollegInnen zum literweise Leitungswassersaufen zu animieren. Nicht umsonst lautet der Slogan auf dem Leitungswasserverprudeler „Trinken Sie sich Gesund! Jetzt!“

Als wir also diesen Montag die Versorgung und Planung für das zweitägige Meeting gestern und heute mit ca. 20 Personen besprachen, kamen wir nochmals auf die für so eine große Gruppe nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehenden Behältnisse und wir einigten uns darauf, nochmals Glaskaraffen nachzubestellen. Gleichzeitig sollte meine Kollegin unserem Getränkelieferant doch noch mal einen letzten durch uns generierten Umsatz seines Lebens gönnen und die herkömmlichen Glasflaschen bestellen. Nur zur Vorsorge, die Karaffen sollten innerhalb von 24 Stunden angeliefert werden. Und da lag der altbekannte Hase im Pfeffer: sie sollten. Wurden sie aber nicht und meine liebe Kollegin, die ressourcensparende Perle, hatte am Montag nur die Menge Flaschenwasser für einen Meetingtag bestellt und nicht wie ich annahm für die gesamte Woche, damit wir auch was auf Vorrat haben. Falls mal was ist. Der Notgroschen der Trinkwasserbehältnisse sozusagen. Oder wie ich immer: Zuviel von allem.

Wir beratschlagten uns also nochmals und da wir neben den etwas anmutigeren und hochwertigeren Karaffen für Gäste, ich sag nur „Besuchergeschirr“, für den Otto-Normal-Angestellten noch die günstigere schwedische Alternative erwerben wollten, ließ ich mich breitschlagen heute Morgen in das schwedische Einkaufsparadies im ehemaligen dänischen Königreich Altona zu fahren. Da mir mein Chef sein Auto nicht ausleihen wollte, suchte ich mir die Schnellbuslinie 37 aus und trabte frohen Mutes los. In Hamburg fährt man HVV. An der Bushaltestelle in der Mö angekommen, sah ich einen Bus mit der Liniennummer 3 gerade anhalten, die Endhaltestelle war die selbe wie die meiner Schnellbuslinie, also stieg ich ein und blamierte mich bis auf die Knochen, indem ich dem Busfahrer mit einem schulterklopfenden Tonfall den charmanten Satz: „Kann es sein, dass Sie eine 7 verloren haben auf Ihrem Display?“ entgegenwarf. Er ließ mich abblitzen, indem er mich nur verständnislos anschaute, was mich, natürlich, dazu bewegte noch einen hinterherzuwerfen: „Sie sind doch der Schnellbus mit der Nummer 37, oder?“

„Nein,“ entgegnete der Busfahrer, „ich bin die Nummer 3“ und bevor ich weiterplappern konnte, stieg ich lieber aus und guckte ziemlich verdutzt auf den Haltestellenaushang. Tatsache, der Metrobus 3 und der Schnellbus 37 haben die selbe Zielhaltestelle, fahren aber unterschiedliche Wege. Krass. Ich glaube ich wurde etwas rot, weil ich über meinen „Omispruch“ nachdachte und stellte mich als eine Art Kurzschlusshandlung in die Sonne, tat ganz unbeteiligt und dachte über meine Sünden nach. Auf der Sitzbank an der Haltestelle hatte mittlerweile eine ältere Dame mit einem Kartoffelmercedes Platz genommen, die etwas mürrisch vor sich hinschaute. Ich bezog das mal nicht weiter auf mich, schloss wieder die Augen und genoss die Wärme. Kurz darauf hörte ich hinter mir eine knartzige Stimme die verkündete „Scheenes Wetterchen, nä?“ Ich drehte mich, da keine Antwort kam zu der Stimme um, ob ich vielleicht die Angesprochene gewesen bin, man will ja nicht unhöflich sein, besonders nicht bei Gesprächen über das Wetter. Aber es trug sich zu, dass die Haltestellenbank ein regelrechter Magnet von älteren Damen mit Kartoffelmercedes war. Sie saßen mittlererweile also nun zu zweit da und ich bemerkte eine gewissen Spannung zwischen den beiden Ladies in der Luft. Die erste Dame, schwarzer Kartoffelmercedes, hatte sich demonstrativ abgewendet und versuchte mit zusammengekniffenen Augen den Bus regelrecht herbeizuzoomen. Jedenfalls sah es sehr angestrengt aus. Die zweite Dame mit der knartzigen Stimme, die das Gespräch angefangen hatte, weiß-auf-rot gepunkteter Kartoffelmercedes, schien das nicht zu beirren. „Ich sagtä, scheeeneees Wäääättärrrchän, nä?“ Man hörte jetzt überdeutlich den schlesischen Einschlag in ihrer Stimme, den ich als Idiom ja so sehr mag. Diese Sprachfärbung gibt mir immer ein heimeliges Gefühl. Obwohl ich meine Großmutter väterlicherseits nie bewusst kennen gelernt habe, es existiert nur noch ein Foto von einer sehr alten Dame in Kittelschürze, mit Haarnetz und abertausenden Falten, die mich als Wonneproppen auf dem Schoß hält, stelle ich mir vor, dass sie genauso gesprochen haben muss.

„Ja, ja. Egal ob schwarz oder weiß. Die Sonnä ist für uns alle da, nä?“ Sie nahm es mittlerweile zur Kenntnis, dass der schwarze Hackenporsche kein Interesse am Bushaltestellenbankgeplauder hatte, daher fuhr sie nun größere Geschütze auf. Ja, ja, die Männschähn sind so gleichgültig geworden. Dabei ist es doch egal, wir sind allä gleich, haben Augen, Nasäh, Ohren, Arme. Die Sonnä scheint für uns alllläh, nä? Der Herr ist doch gut, nä? Hat das alles gemacht, fier uns.“

Leider kam dann viel zu schnell der echte Schnellbus 37 angefahren, komplett bestückt mit beiden Ziffern auf dem Display und ich konnte dem morgendlichen Halleluja nicht mehr weiter beiwohnen, was ich allerdings zu gerne getan hätte, nur um vielleicht doch noch mitzubekommen, wie der schwarze Kartoffelmercedes sich doch noch zum Hamburger Wetter im Allgemeinen und dem Allmächtigen im Besonderen äußert. Schade, eigentlich hätte ich mich zu meiner schlesischen Seelenverwandten setzen müssen und zuhören sollen. Vielleicht hätte ich ihr sogar ein paar Fragen stellen sollen, über Koch-und Backrezepte zum Beispiel. Meine Mutter hat viele Rezepze von ihrer Schwiegermutter geerbt, die sie oft für uns gekocht hat. Backobst in Sagosuppe. „Kartoffelknedel“ auch mit Backobst. „Schlesischer Mohnkucha“, den liebte mein Vater sehr. Oder ich hätte sie ausfragen können, ob sie auch die Bräuche und Sitten kennt, die meine Mutti von ihrer Schwiegermutter damals mitbekommen hat, die Mutti aber irgendwie nur noch halb wusste. Leider kann ich meine Mutter jetzt nicht mehr fragen, wir haben für meinen Geschmack eh viel zu selten über diese Dinge gesprochen. Viele Diskurse endeten dann ganz schnell mit Muttis Worten:“ Ach Mäuschen, DAS weiß ich doch JETZT  nicht mehr.“

Ich werde jetzt immer, wenn ich die Mö entlang laufe nach einem fliegenpilzfarbigen Kartoffelmercedes Ausschau halten…. Vielleicht ergibt sich ja doch noch was!

Hödelödelödelödelödel

Seit einer Woche habe ich keine Stimme mehr. Es fing wie immer mit einer Erkältung an, die sich dann, auch wie immer, ganz schnell auf meine Stimme gelegt hat. Wie ich nun mal bin, versuchte ich die ganze Chose mit eigenen Hausmittelchen und zwei Tage zuhause bleiben in den Griff zu bekommen. Das Wochenende stand ja auch vor der Tür, also noch zwei Tage mehr, um gesund zu werden.

Als sich am darauffolgenden Montagmorgen nichts signifikant gebessert hatte und aus meiner Kehle nach wie vor keine zarten Sopranistinnentöne herauskamen sondern eher etwas das so klang wie ein griechischer Überlandbus, während er irgendwelche kurvigen Schotterpisten herunterdonnert und natürlich vor den Kurven nicht abbremst, sondern mit Vollgas und einer gewissen gnadenlosen Hartnäckigkeit die Hupe betätigt, bin ich dann doch zum Hausarzt gegangen. Hödelödelödelödel, hödelödelödelödel.

Meine neu gefundene Hausärztin stellte dann sofort eine bakterielle Infektion und Verdacht auf Kehlkopfentzündung fest und schickte mich mit einer Packung Antibiotikum, einer Krankschreibung für eine Woche sowie einer Überweisung für den Hals-Nasen-Ohrenarzt nach Hause. Ich sollte schnellstmöglich einen Termin zur Abklärung der Diagnose machen, da sie ja nicht so weit in den Hals hineingucken kann, die HNO-Ärzte können das ja mit den ganzen Spiegeln und Sonden besser, erklärte sie mir. Danke, dachte ich, hödelödelödelödel, antwortete ich. Ich weiß, dachte ich, ich bin als Kind und Teenager fast Dauergast bei denen gewesen. Mit Nasenpolypen, entzündeten Mandeln, chronischer Sinusitis, ja auch eine ausgewachsene Kehlkopfentzündung im Alter von 17 Jahren durfte ich schon auskurieren, inklusive anschließender logopädischer Therapie, in welcher ich neu Sprechen lernen musste, sowie eines 12-monatigen Sing- und Schauspielverbotes, was meiner damals noch jungen Chorsängerinnen- sowie Theaterkarriere mächtig im Weg stand. Ich weiß also, was mich erwartete.

Da ich ja weiterhin nur hupen konnte und es schwierig ist, sich flüsternderweise am Telefon verständlich zu machen, ohne dass die Gegenseite zunächst denkt, man sei pervers oder anderweitig gestört, bat ich den Bagelmann um Unterstützung. Er sagte, dass er mal seine Beziehungen spielen lassen wollte und verschaffte mir in Bremens angesagtester HNO-Praxis einen „Termin“ für Donnerstag, aber mit „extrem langer Wartezeit“. Ich will gar nicht anfangen mich über unser Gesundheitssystem zu beschweren, gibt es aus meiner Sicht eigentlich auch gar keinen Grund dafür. Dennoch finde ich es merkwürdig, wenn man mit einer Überweisung vom Hausarzt, nachweislichen Schmerzen und Beschwerden trotzdem drei Tage auf einen Termin warten muss, der dann noch nicht mal ein richtiger Termin ist, sondern man eh warten muss. Egal. Ich trage meinen Kopf ja noch nicht unter dem Arm und ich werde noch nicht sterben. Und ich weiß, dass es Menschen gibt, denen es noch dreckiger geht als mir. Und ich weiß auch, dass es in anderen Ländern noch nicht mal die Möglichkeit gibt, überhaupt zu einem Spezialisten zu gehen. WEISSICHALLES. Ich bin trotzdem etwas verschnupft. So. Jetzt isses raus. Ich beschwere mich doch ein wenig. Ich kann seit EINER WOCHE nicht sprechen, nur Flüstern, was für die Stimme noch schlimmer ist, man möchte sich ja aber doch irgendwie mitteilen, deshalb flüstert man und wenn man mal etwas mit Nachdruck sagen möchte, hupt man sogar etwas. Hödelödelödelödel. Hödelödelödelödel. Zudem schlafe ich seit einer Woche nicht mehr, wegen des blöden Hustens, was mich noch mauliger macht.

Heute saß ich also fast zwei Stunden und wartete auf meinen „Termin“ beim Spezialisten. Das Wartezimmer war gut gefüllt, beim Hinausgehen merkte ich, dass die Praxis sogar über zwei Wartezimmer verfügt. Im nächsten Leben werde ich HNO-Arzt, ich schwöre. Weil ich so überaus freundlich, vorausschauend und sozial eingestellt bin und sehr auf mein Umfeld und meine Mitmenschen achte, habe ich einer Familie, die kurz nach mir das Wartezimmer betrat, meinen Sitzplatz freigemacht, damit sie zusammensitzen können. Keiner von denen hat es bemerkt, geschweige denn sich dafür bedankt. Ich plumpste also auf einen anderen freien Platz neben einer alten Dame in einem blassrosa Strickjäckchen. Da ich mit dem Fahrrad gekommen bin (ich konnte nicht anders. Seit einer Woche nur im Bett zu liegen reichte mir. Ich bin fieberfrei, die Sonne scheint, ich musste mich bewegen), hustete ich natürlich noch ein wenig mehr als eh schon. Die alte Dame guckt mich jedes Mal wenn ich so vor mich hin hustete schief von der Seite an und rückt merklich jedesmal ein Stückchen weiter von mir ab.  Ich versuche, noch dezenter zu husten, ich weiß wie nervig das sein kann. Aber alle Zurückhaltung und Wohlerzogenheit meinerseits nützte nichts. Nach 20 Minuten machte sie nach so viel non-verbaler Mitteilung endlich ihren Mund auf: „Na hoffentlich ist das bei Ihnen keine Grippe. Das hört sich ja gar nicht gut an.“ Ich wollte erst gar nichts sagen, denn es war ja kein mitfühlendes Gespräch welches sie anstrengte, sondern eines mit dem Tonfall von „Wehe, sie stecken mich auch noch an! Wie können Sie nur krank zum Arzt gehen und dann noch die anderen Patienten mit ihren Bakterien anstecken.“ überlege es mir aber anders und drehe mich zu ihr. „Doch, leider ist es genau das.“ lächelte ich sie an. Sie riss ihre Augen noch weiter auf, stampfte mit den Füßen auf und erklärte lautstark, dass sie sich dann umgehend woanders hinsetzen muss, so was kann sie sich gar nicht erlauben, das sei ja die Höhe, sie sei ja gerade erst krank gewesen, und floh aus dem Wartezimmer. Ich seufzte, der junge Mann neben mir schmunzelte und seufzte mit mir, als er sich wieder in sein Handygame vertiefte.

Das Wartezimmer leerte und füllte sich mehrmals und ich saß immer noch da. Eine junge Mutter von zwei Kindern erheiterte kurz mein Gedisstendasein, in dem sie ihrem Sohn eine Geschichte über das „Pipimachen im Töpfchen und nicht in der Windel“ vorlas, der Nachwuchs aber weiterhin felsenfest überzeugt war, es genauso wie die Protagonistin des Kinderbuches machen zu wollen, Pipi in Windel, Töpfchen doof. Als dann eben jene wohl voll war, ging die Mutter mit dem Nachwuchs kurz mal raus. Zwei Minuten später wurde Elias vom sportlich, dynamischen Chefarzt aufgerufen, der die Tür zum Wartezimmer aufriss und mit großen Augen in die Runde guckte. Als weder Elias noch die anderen Mitwartenden antworteten, sah ich mich in der Pflicht, dem Arzt flüsternderweise mitzuteilen, dass die Mutter mit Elias wohl gerade die Windeln wechseln ist. Er schaut mich an und sagt: „Was macht sie?“ Er hat mich wohl nicht verstanden. Ich hob zum Hupen an und hödelödelödelödelte mit etwas Nachdruck: „Windeln wechseln.“

Der Arzt schaute mich mit versteinerter Miene an und meinte dann nur lakonisch „Sagen Sie, können Sie nicht mal lauter sprechen?“ Das Wartezimmer brüllte vor Lachen und ich gab ihm zu verstehen, dass ich seinen Humor schätze. He made my day. Er setzte noch einen drauf. „Sie sollten damit mal zum HNO-Arzt gehen.“ „Hervorragende Idee,“ flüsterte ich. „Darauf bin ich noch gar nicht gekommen.“ Der Arzt verschwand, Elias kam mit seiner Mutter und frischem Popo wieder ins Wartezimmer und nach 15 Minuten wurde auch ich endlich aufgerufen. Auf dem Flur begegnete ich dem Arzt nochmal und er blieb vor mir stehen und sagte mit Pathos „Jetzt wird ALLES gut.“ Ich strahlte ihn an und bedankte mich. Hödelödelödelödel. Seine Kollegin, die mich dann untersuchte, bestätigte, was wir ja alle schon seit Montag wissen, ich habe eine ausgewachsene Kehlkopfentzündung und verschrieb mir neben weiteren hohen Dosen an Salbeitee und Inhalaten noch ein abschwellendes Ananaspräparat. Weiterhin heißt es also für mich Schnauze halten und Tee trinken.

Aus Frust habe ich auf dem Nachhauseweg den Discounter meines Vertrauens erst mal leer gekauft. Ich habe beschlossen, mir heute und am Wochenende die Ohren abzukochen und abzubacken. Wenn ich schon nicht sprechen darf, will ich mich wenigstens auf andere Weise mitteilen können. Zur Stärkung der Nerven und meiner Moral habe ich mir auch noch eine Packung Frustkekse gegönnt. Oder eher Frusteclairs, Wikingerröllchen. Ha! Diese werde ich mir jetzt schön einen nach dem anderen reinpfeifen.

Vielleicht sollte ich mit Ausdruckstanz beginnen! Singen ist ja momentan erst mal nicht. Hödelödelödel.

Engage!

Wir Hamburger drehen ja momentan komplett durch. Das ist zwar an und für sich nichts Neues, sind wir ja monstermässig stolz auf unsere tolle Stadt und was wir so alles haben, Hafen, mehr Brücken als Venedig, den Michel, FC St. Pauli und die Reeperbahn, aber seitdem die Elbphilharmonie ihren Konzertbetrieb aufgenommen hat, sind wir ja alle noch stolzer auf unsere wunderschöne Stadt. In den sozialen Netzwerken wird man täglich überflutet mit Selfies von Freunden und Bekannten in oder vor der ElbPhi und alle rühmen sich damit, den erklärtermaßen weltbesten Konzertsaal als einer der ersten besucht zu haben. So schön so gut. Machichauchso! Ich bin nämlich eine totale Angeberin und brüste mich mit so ziemlich allem, was in meinem Leben passiert und von dem ich begeistert bin und binde es auch jedem der es hören oder lesen will auf die Nase.

Gestern waren der Bagelmann und ich in unserem zweiten elbphilharmonischen Konzert. Wir haben nämlich das große Glück im letzten Jahr zwei Mini-Abonnements „Elbphilharmonie für Einsteiger“ ergattert zu haben. War irgendwie gar nicht schwer, aber wenn ich mir den Hype ansehe der um die Tickets gemacht wird, dann fühle ich mich noch einmal mehr wie ein Glückspilz. Bisher habe ich nur davon gehört, dass alle Konzerte ausverkauft sind. Das ist ja fast so wie bei meinem Lieblingsfußballverein! Aber selbst dort am Stadion gibt es meistens noch faire Last-Minute-Tickets und auch bei der ElbPhi kann man an der Abendkasse noch Glück haben. Bestes Beispiel ist die Dame die bei unserem ersten Konzert neben uns saß und wirklich auf die letzte Minute noch in den Saal gehuscht gekommen ist und grade noch Zeit hatte, uns überglücklich zu erzählen, dass sie die allerletzte Konzertkarte ergattert hat und wie sie sich darüber freut.

Jedenfalls durften wir uns gestern an zwei Beethoven-Sinfonien aus dem Zyklus ¡Viva Beethoven! erfreuen. Gustavo Dudamel, laut der New York Times der „heißeste Dirigent“ des Planeten (was mich nicht wundert, da der für mich bisher heißeste Dirigent des Planeten Signore Claudio Abbado ja leider vor drei Jahren verstorben ist) und sein Orquesta Sinfónica Simón Bolívar sind zur Zeit zu Gast in der Hansestadt und verzaubern alle, nicht nur uns Hanseaten. Ich las heute gerade, dass diese Konzertreihe, alle neun Beethoven Sinfonien an fünf Tagen aufzuführen, sogar weltweit Beachtung findet und dass das Orquesta vorher schon mit dieser Konzertreihe in Barcelona aufgetreten ist. Man darf also gespannt sein auf die ganzen Nachbesprechungen.

Meine Kollegin fragte mich heute Morgen, ob ich gestern einen schönen Abend hatte und wie mir das Konzert gefallen hat. Natürlich habe ich ihr im Vorwege erzählt, dass ich „schon wieder“ in die ElbPhi gehe, ich alte Angeberin. Sie ist zugegebenermaßen kein Klassikfan bzw. sagt von sich selbst, dass sie ja gar keine Ahnung von Klassik hätte und fragte, ob es denn gestern ein großes Orchester gewesen sei und dass das ja nix für sie wäre, sie würde vielleicht irgendwann mal mit einem kleinen Orchester starten, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommt. Ich strahlte sie trotz der fehlenden Klassikbegeisterung an und erzählte ihr von diesem tollen Orchester mit seinen sechs Kontrabässen, den acht Celli, den mindestens 30 Streichern, zwei Fagotten nebst Kontrafagott, zwei Hörnern, zwei Querflöten und einer Piccoloflöte, den Oboen und Klarinetten und dass der Klang einen selbst am Anfang der Schicksalssinfonie nicht weggeblasen hat, sondern …. und dann fehlten mir kurz die Worte.

Wie beschreibt man dieses grandiosen Orchesters in diesem einzigartigen Konzertsaal am besten? Man sitzt in einem Rund, das Orchester fast mittig vor einem. Man fühlt sich wie in einer Miniaturausgabe des Galaktischen Senats aus Krieg der Sterne. Fast ist man versucht, auf seinem Sitz nach vorne zu fliegen und über den Köpfen der Musiker zu schweben. Die Akustik ist trocken, gestern habe ich vermeintlich das Blatt des Kontrafagotts beim Anblasen gehört, es schnarrte irgendwie immer. Das empfand ich als etwas störend, aber es war auch total lustig, nicht nur Töne zu hören, sondern z.B. auch die Klappen der Blasinstrumente und manchmal auch die Saiten beim Anstreichen und das noch nicht mal wenn nur gezupft wird. Die Musik ist nie laut, es ist alles so wohltemperiert irgendwie. Es ist auch mal ganz leise und zart, man wird vom Klang umgeben, die Musik erfüllt einen.

Der Bagelmann und ich haben auf dem Nachhauseweg überlegt, was uns an dem Abend am besten gefallen hat. Die Musik, das Orchester, das Ritual vor dem Konzert in das tolle asiatische Streetfood-Restaurant gegenüber meines Büros zu gehen und etwas Leckeres zu essen, oder das Gefühl zu haben in der ElbPhi schon fast zu den alten Hasen zu gehören, im Schlaf „unsere“ Plätze zu finden und an den netten wegweisenden Mitarbeitern des Hauses mit einem freundlichen Nicken vorbeizugehen. Danke, wir kennen den Weg und nein, wir wollen heute mal nicht mit der Tube fahren, sondern nehmen bewusst den Aufzug. Wir beide einigten uns darauf, dass es irgendwie alles zusammen war, aber am meisten hat uns das Gefühl von Vertrautheit gefallen.

Ja, das war es dann auch, was ich meiner Kollegin erzählte. Von dem Gefühl der Erfüllung und der Nähe zur Musik und während ich ihr mit leuchtenden Augen vorschwärmte, fasste ich mir an den Bauch in die Nähe des Solar Plexus. Dort wo beim Menschen so viele Nerven zusammengeschaltet sind, ein wichtiger energetischer Punkt.

Musik, Liebe, Energie.

 

 

 

Patience

Geduld, die: Fähigkeit oder Bereitschaft, etwas ruhig und beherrscht abzuwarten oder zu ertragen.

Der Bagelmann hat ein morgendliches Ritual. Seitdem ich mit 65 Umzugkartons, einem Esstisch, 8 Stühlen, 25 Küchengeräten, 3 Dutzend Einweckgläsern, einem roten Sofa, 1,5 Kleiderschränken und einem Set Affirmationskarten bei ihm eingezogen bin, haben wir das Ritual erweitert und ziehen jetzt morgens nicht immer nur eine Engelskarte, sondern auch gleich eine Körper & Seele Karte von Louise Hay, als Ergänzung sozusagen. Der kleine Mann an seiner Seite freut sich immer darüber und bekommt glänzende Augen, wenn er uns seinen grade frisch gezogenen Affirmationsspruch vorliest. Auch die Eigenschaft auf der Engelskarte wird von ihm kommentiert und wenn diese dann mal nicht gleich sonnenklar zu verstehen ist, versuchen wir gemeinsam herauszufinden, was z.B. Brüderlichkeit oder Kommunikation bedeuten könnte.

Meine heutige Engelkarte sagte mir, dass es mir zur Zeit wohlmöglich an Geduld fehlen könnte. Anders nämlich als der kleine Mann an seiner Seite verstehe ich die Engelkarten meistens als das, was mir gerade fehlt und nicht als das, was mich auszeichnet. Wenn ich mal wieder die Humorkarte ziehe, freut sich der kleine Mann an seiner Seite nämlich für mich und sagt: Das passt zu Dir, Martina! Wir lachen immer viel gemeinsam.

Wenn mich mein Humor auch auszeichnet, als die Grundlagen für Geduld und Beherrschung verteilt wurden war ich wahrscheinlich mal wieder auf und davon zu neuen, spannendenden Herausforderungen oder auf dem Klo. Oder habe lieb gelächelt, für mich dann aber gleich gedacht: brauchichnicht. Ich KANN so schlecht abwarten. Ich WILL immer alles sofort. Wenn es mir mal ausnahmsweise gelingt, auszuhalten und etwas wachsen und entstehen zu sehen, freue ich mich zwar immer sehr darüber, aber beim nächsten Mal kratze ich bestimmt schon wieder die Farbe von den Wänden, weil es mir nicht schnell genug geht.

Wir leben zur Zeit immer noch zwischen Kartons und in heilloser Unordnung. Also, Unordnung gemessen an meinen Maßstäben und die sind, wie meine Freunde bestätigen können, ziemlich hoch. Also, heillos ist wahrscheinlich wirklich übertrieben, aber ich empfinde es nun mal so. Den Flur kann man nur im Slalomlauf durchqueren und nachdem ich gestern Abend sechs Kartons ausgepackt habe, die vor dem einen Wohnzimmerschrank standen und man nun endlich an selbigen herankommt, ohne sich ganz oben auf den Kartonstapel zu legen und mit langen Armen zu versuchen, die Teller aus der untersten Etage zu fischen, sind die restlichen zwei Kartons des Stapels auf die andere Seite des Zimmers gewandert und versperren nun dort den anderen Schrank. Ich hatte aber gestern irgendwann einfach keine Lust und keine Kraft mehr zum weiteren auspacken und fand, dass sechs Kartons inkl. Einräumen eigentlich eine ganz gute Quote darstellt.

Eigentlich haben wir schon ziemlich viel geschafft, das meiste ist ausgepackt, angeschraubt und aufgestellt,  aber eben noch nicht alles. Zum Beispiel klaube ich mir täglich meine Klamotten aus dem riesigen Wäscheberg zusammen (von mir auch gerne Wäschezwerg genannt, wenn ich ganz lustig sein will, haha, da isser ja, mein HUMOR), der schon vor dem Umzug beträchtlich gewesen ist, dann in besagtem Wäschekorb einfach umgezogen wurde und jetzt seit zwei Wochen weiter wächst und gedeiht, weil waschen können wir und tun das auch. Also wird der Zwergenberg gefüttert und meine Kleidungssituation nervt mich. Jeden Tag habe ich bisher Umzugskartons ausgepackt und geordnet und einsortiert, aber ich habe es noch nicht geschafft, meine Wäsche zu bügeln und ordentlich in den Kleiderschrank zu hängen, wo mir vom Bagelmann reichlich Platz geschafft worden ist. Ich fühle mich so unwohl nicht zu wissen, was ich morgens zur Arbeit anziehen soll und von daher ist mein Kleidungsstil momentan eher quadratisch, praktisch, gut und in Jeans (die gehen ja auch ungebügelt), dezent verschönert mit der ein oder anderen passenden Cardigan und Boots. Die Schuhe sind zum Glück schon ordentlich verstaut, wenigstens etwas!

Es geht halt nicht alles auf einmal, das weiß ich auch, aber ich bin so fürchterlich unentspannt und angenervt, an jeder Ecke steht was rum und ich laufe ständig irgendwo gegen und bin letztens mit der Kapuze meines Hoodies an einem Kartonstapel hängen geblieben und musste, bevor die gesamte Vasensammlung auf den Boden knallt, vom Bagelmann gerettet werden, da ich die Hände nicht frei hatte um mich selbst zu befreien. Die Situation zehrt an meinen Nerven und ich möchte endlich alles hübsch, sauber und geordnet haben. Wissen, wo was liegen soll und wird, wieder einen Kleiderschrank mit einer Auswahl an gebügelter und hübsch aufgehängtem Klamotten haben und nicht mehr das am wenigsten zerknitterte Teil aus dem Wäschekorb ziehen und anplünnen müssen. Ich will endlich Routine. Also mehr Routine, als die besagten fünf Minuten am Morgen mit Engelkarten und Affirmationen, wie ich meine Seele heute am besten streicheln und aufhübschen soll. Ich will nach Hause kommen und nur noch entscheiden müssen, ob ich in die Laufschuhe oder in die Badewanne steigen soll. Und dann ab in die Heia und ein Buch lesen, oder auf dem Sofa fleezen und herumkrümeln.

Aber eben nicht mehr nur nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu schleichen und die ganze Zeit zu wissen, dass da noch der Spiegelschrank, die Garderobe und die Tafel darauf warten an die Wand gebracht zu werden, aber nach 19 Uhr abends bohrt man ja auch keine Löcher mehr in Wände und an den letzten beiden Wochenenden waren wir immer noch in Sachen alte Wohnung herrichten unterwegs, so dass wir das Bohren auf wann-auch-immer verlegen müssen. Des Weiteren warten noch diverse Kartons mit noch mehr Küchengeräten auf Ihren Einsatz, aber wohin damit? Ach ja, warte, wir müssen ja noch Küchenschränke und Regale kaufen, bevor wir das auspacken können. Ich liebe ja eigentlich „unboxing“ aber momentan bin ich es echt leid. Ich will Ordnung! Sofort!

Als ich meine alte Wohnung und mein altes Leben in besagte 65 Umzugkartons gepackt habe, sind mir meine Patiencekarten aus Kindertagen in die Hände gefallen. Ich weiß, ich weiß. Patiencen legt man schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr mit echten Karten sondern online oder auf dem Handy. Dennoch, ich bin in solchen Dingen sehr altmodisch und habe mit etwas Rührung und einer kleinen Träne im Knopfloch die Karten auf Vollständigkeit durchgeschaut und dann an die viele schöne Stunden gedacht, die ich an unserem runden Esszimmertisch mit Muttis selbst genähter Tischdecke im Millefleurs-Muster verbracht habe und mich in Patiencen geübt habe. Meine Mutter und meine Schwester waren auch fleißige Patiencelegerinnen und ich hatte sogar Karten im Snoopy- bzw. Peanutsdesign! Ich weiß, es kommt der Tag an dem der letzte Karton leer in den Keller wandert, alles seinen Platz gefunden hat und ich mir dann bestimmt irgendwie denke: Endlich fertig. Und Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut. Herrje, zum Glück war ich damals nicht dabei, die ganze Unordnung und der ganze Staub, ich wäre verrückt geworden.

Dann werde ich mich an den Esstisch setzen und eine Snoopy-Patience legen. Und mich freuen. Noch. Mehr. Freuen. Und zur Ruhe kommen.

 

 

Rant 2.0

Ich hasse Smartphones.

Ok. Nein, ich muss präziser werden. Ich hasse Smartphones im öffentlichen Leben. Hm. Auch nicht richtig. Natürlich hasse ich Smartphones nicht an sich, ich besitze ja selbst eins und möchte es nicht missen. Auch und gerade im öffentlichen Leben nicht. Natürlich nicht. Es erleichtert so vieles und ist eigentlich immer ein treuer Begleiter. Aber ich kann auch ohne. Und das tue ich auch so oft es geht. Jeden Tag. Und ganz bestimmt immer dann, wenn ich auf die Straße gehe, mich also unter Menschen bewege. Ich muss NICHT als Smombie durch die Stadt laufen, andere Leute am schnelleren Gehen durch enge Stellen hindern oder auf Treppen immer langsamer werden und leichte Schlenker in meinen Gang einbauen, weil ich auf mein Handydisplay schaue. Das mit dem Schlenkern mache ich vielleicht auch so schon, aber Ihr wisst sicherlich was ich meine.

Kürzlich auf dem Hamburger-Hauptbahnhof am Gleis 14 hatte ich ein Erlebnis mit einem jungen Herrn, welches sehr exemplarisch ist. Ich steige eigentlich fast immer an der selben Stelle in den Zug ein, der mich in mein neues Zuhause bringt. Die Erfahrung lehrte mich, dass in dem Teil des Zuges fast nie Sitzplatzreservierungen vorliegen, ich also immer einen Sitzplatz bekomme ohne Gefahr zu laufen, den gerade häuslich eingerichteten Raum auf Zeit wieder freimachen zu müssen. Auf dem Weg von der Bahnhofshalle auf das Gleis und an die Stelle, an der ich dann den Zug erklimme, muss ich Slalom laufen, weil meistens der halbe Bahnsteig von aufgeregten Eintagsreisenden mit mehreren Riesenrollkoffern bevölkert wird, die hektisch nach der Wagenstandsanzeige suchen und dann wie hypnotisiert auf die elektronische Gleisanzeige starren, ob der ICE nach Stuttgart auch wirklich von diesem Gleis fährt und nicht kurzfristig auf den Nachbarbahnsteig verlegt wurde. Den zweiten Teil des Bahnsteigs teilen sich die etwas unaufgeregteren Pendler und Geschäftsreisenden und: die Smombies.

Letztere stehen natürlich auch total unaufgeregt rum und tun ja eigentlich niemandem etwas. Also mir nicht und auch sonst niemandem. Was sie vielleicht virtuell oder per Kurznachrichtendiensten alles anstellen, ist mir relativ schnuppe, aber was mich nervt ist, dass ich mich immer noch einmal mehr um sie herumschlängeln muss. Erst versuche ich an der einen und dann auf der anderen Seite an Ihnen vorbeizukommen und hoppel so wie ein Boxer beim Aufwärmtraining um sie herum. Leider merken sie es oftmals gar nicht, dass sie einfach im Weg stehen, denn hinter ihnen steht ja schon wieder jemand anderes, was sie natürlich auch nicht bemerken, die haben ja hinten keine Augen und wenn, dann wären diese auch nur auf ihr Smartphone gerichtet. Und vor ihnen ist ja noch gaaaanz viel Platz. Vermeintlich viel Platz sollte ich besser schreiben. Denn, und das bemerkt niemand von diesen Socialnetworksüchtigen, jeder mit einem Smartphone in der Hand hält seine Arme und Hände mindestens 30 bis 50 cm vor seinen Körper, d.h. man vergrößert seinen Radius einfach um fast einen halben Meter, aber nur an einer kleinen Stelle des Körpers. Niemand denkt darüber nach, dass die Arme ausgefahren sind und sich damit einfach der Platz, dem man anderen Menschen um sich herum einräumt, reduziert. Ich muss mich immer überwinden, zu nah an so einem Smombie vorbei zu gehen, denn ich bleibe bestimmt irgendwann mal mit irgendeinem Jackenaufschlag, meiner Umhängetasche oder mit meinem kleinen Finger an dem superteuren Smartphone hängen und reiße es dem Träger aus der Hand und schon sind 700 Euro im Eimer, ich kenne mich doch!

Und das nervt mich. Zurück zum Geschehen. Ich bin also wieder einmal wie Rocky Balboa um ein Smartphone mit Jüngling am anderen Ende herumschlawienert, da hinter dem Smombie eine Mutti mit Kinderwagen den Bahnsteig blockierte, halb links vor ihm wartete der Schaffner schon mit einer dieser mobilen Hebebühne für Rollifahrer und der Smombie stand ca. 50 cm weg von der Hebebühne, aber sehr nah an Mutti mit Kind. Ich konnte also weder vor ihm noch hinter ihm vorbei und irgendwann bemerkte er meine Not, klappte seine Arme ein und meinte fast entrüstet: „Gehen Sie doch durch, hier ist doch genug Platz!“ Ich schnaubte nur kurz durch meine bebenden Nasenflügel, bedankte mich dafür, dass er mir Platz gemacht hat und schlich an ihm vorbei. Am Liebsten hätte ich ihm aber einen kleinen Vortrag gehalten, dass sich einige Menschen, so wie ich zum Beispiel, noch nicht daran gewöhnt haben, nicht mehr so geschmeidig wie ein Lachs in seinem Schwarm durch die Menschenmenge flutschen zu können wie früher, sondern ständig durch Smartphonebremsen wie ihm daran gehindert zu werden, beherzt das eigene Tempo im Fußgängerstraßenverkehr zu gehen.

Gestern in der U-Bahn hatte ich ein entzückendes Erlebnis, bei dem ich mich selbst ertappt gefühlt habe. Es regnete stark und ich habe seit einer Woche nun kein Monatsabo für den Hamburger Verkehrsverbund mehr, da ich den Weg von der Arbeit zum Hauptbahnhof immer zu Fuß zurück lege. Ich sprintete also unter dem Dauerregen zur U-Bahn und stiefelte gewohnheitsmäßig gleich auf das Gleis, ohne darüber nachzudenken, dass mir etwas Entscheidendes fehlt. Wer wie ich praktisch schon mit einem Monatsabo des HVV in der Tasche auf die Welt gekommen ist, der denkt erst mal gar nicht darüber nach einen Fahrscheinautomaten zu benutzen, wenn er auf einmal kein Ticket mehr hat. Zum Glück ist es mir aber als ich auf dem Bahnsteig stand wieder eingefallen und ich dachte, cool, ich habe ja die HVV-App, ich kaufe mir schnell eine Kurzstrecke.

Pustekuchen. In der Hamburger U-Bahn hat die HVV-App keinen Empfang. Ich stieg trotzdem in die Bahn ein, da ich keine Zeit mehr hatte zum Fahrkartenautomaten zurück zu stürmen, da ich ja meinen Zug am Hauptbahnhof bekommen musste. Wer mich kennt weiß, dass ich in den 3 Minuten Fahrt bis zum Hauptbahnhof (es sind zum Glück „nur“ 2 kurze Stationen mit der U 1) Blut und Wasser geschwitzt habe und gebetet habe, dass kein Kontrolleur kommt. Ich kann das nicht, also Schwarzfahren oder Betrügen oder so. Sagte ich ja schon mal. Das habe ich einfach nicht in meiner DNA und wenn es mal passiert, weil auch ich mal vertrottelt sein kann, dann ist es ganz schön aufregend für mich. Ich stand also mit gezücktem Handy und ausgeklappten Armen in der Bahn, sorgfältig darauf bedacht, niemanden in die Quere zu kommen und sah der App beim Rödeln zu. Sie rödelte und rödelte und rödelte und zeigte mir mein fast frisch erworbenes Handyticket nicht an. Neben mir tobten zwei Jungs im geschätzten Alter von 7 und 10 Jahren herum und spielten. Ich habe zunächst nicht ganz kapiert, was sie spielten, da ich doch so auf mein Handydisplay fokussiert gewesen bin und mit hektischen Seitenblicken auch auf das Geschehen auf dem Bahnsteig, ob nicht doch noch jemand von der S-Bahn Security einsteigt und „Die Fahrscheine, bitte“ brüllt.

Als ich dann doch aufschaute sah ich, dass die Jungs jeder einen gelben Post-It Block in der Hand hielten, auf dem nichts stand und beide sich mit ihrer Fantasie und ihrem Witz Geschichten ausgedacht haben, von bunten Seiten und lustigen Stickern. Sie zeigten sich die leeren Blockseiten gegenseitig und lieferten sich einen Wettstreit darüber, auf welchem der Blöcke die tolleren Dinge abgebildet sind. Es kam mir so vor, als persiflierten sie auch ein wenig die großen Menschen um sich herum, die nur auf ihre bunten Minibildschirme guckten und gar nicht mehr auf das eigentliche, noch viel buntere Leben, dass da auch noch stattfindet. Es war für mich der Moment, in dem ich mein Handy wieder einsteckte und mir sagte, dass es jetzt egal sei, ich hatte nun mal kein Ticket und wenn ich kontrolliert würde, dann wäre es halt so. Mit einem Schmunzeln betrachtete ich also weiter die Jungs beim Ausdenken und Spielen in der U-Bahn. Es war so skurril, denn neben ihnen saßen nur große Menschen, die alle nur Augen für ein 4″ oder 5,1″ großes Handydisplay hatten und dabei nicht bemerkten, wie sie sich selbst und oftmals auch die anderen Menschen um sich herum blockieren.

Tut mir doch alle bitte einen Gefallen: Legt das Handy sooft es geht zurück in die Handtasche, den Rucksack, die Hosentasche. Insbesondere wenn Ihr Euch bewegt. Es tut gut, sich einfach mal wieder umzugucken, denn dann entdeckt man womöglich etwas!

Umzüge, oder wie ich doch keine Meerjungfrau wurde

Mermaidhairlook ist ja momentan der letzte heiße Scheiß. Der Bagelmann findet das auch total toll (alter Hipster) und ich warte seitdem täglich darauf, dass er mit blauer Mähne nach Hause kommt. Nun ja. Ich, als absolute Trendsetterin, wollte ja schon mit 15 Jahren blaue Haare haben. Meine Schwester war zu der Zeit bereits Friseurmeisterin und ich hatte somit 1-a Kontakte und Quellen, so dass das auch handwerklich eigentlich kein Problem darstellte. Leider war meine Mutter von der Idee überhaupt nicht begeistert.

Sie fand, dass ich gerne wenn ich aus dem Elternhaus ausgezogen und volljährig noch dazu wäre, tun und lassen könnte, was ich wolle. Der bei uns nie klar ausgesprochene Satz: „Solange Du die Füße unter meinem Tisch hast…“ waberte durch und so war ich mal ausnahmsweise folgsam und artig und ließ meine Haarfarbe so wie sie von Natur aus war. Straßenköterblond.

Irgendwann aber, ich glaube es war ca. 1,5 Jahre später, habe ich von meiner Schwester anlässlich Norddeutschlands größter Faschingsparty, dem LiLaBe, eine blaue Mähne verpasst bekommen. Die Haare wurden leider nur temporär mit Sprühfarbe eingefärbt, so dass die Farbe nach der Party auf dem Nachhauseweg meine weiße Winterjacke total ruiniert hat, da es angefangen hatte zu schneien und das Blau irgendwann schön aus meinen nassen Haaren tropfte. Wir sind damals nämlich sehr oft zu Fuß nach Hause gelascht und somit auch in dieser durchtanzten Nacht. Und natürlich hatte ich keine Mütze mit, sollte ja jeder meine Haarpracht bewundern. Die Jacke war ruiniert, die Haare bald nicht mehr blau und das Erlebnis dann irgendwie doch nicht mehr so toll.

Ich muss jedenfalls immer daran denken und schmunzeln, wenn ich auf der Straße jemanden sehe der jetzt nicht direkt der Punkbewegung zuzuordnen ist und mit blau-, grün- oder manchmal auch rosaverwaschen gefärbten Haaren herumläuft. Und denke dabei meistens heimlich bei mir: okee, kann man machen, muss man aber nicht. Vielleicht zum Fasching, zum Karnevalsumzug, oder wenn man einfach ein Außerirdischer sein möchte.

Apropos Umzüge. Bald ist ja bekanntlich wieder Rosenmontag und mein Umzug in die dann gemeinsame Regenbogenbagelwohnung wird aller Voraussicht nach genau am Faschingswochenende stattfinden. Letzte Woche habe ich einfach mal aus Spaß an der Freude auf einem der bekannten Preisvergleichsportale unseren Umzug eingegeben und um Angebote für das Wegkarren diverser Gegenstände von einer Hansestadt in die andere gebeten. Eigentlich haben wir vor, unsere Freunde und Bekannte einer Belastbarkeitsprobe auszusetzen und hoffen, dass wir am Aus- und Einzugstag in jeder Stadt wenigstens ein paar helfende Hände haben werden. Fix einen 7,5t mieten, Halteverbotszonen einrichten lassen und los geht es. Aber trotzdem fand ich es mal schick sich anzugucken, was wir bezahlen müssten, wenn wir uns professionelle Hilfe holen würden. Und es ist wirklich erstaunlich, auf einen Streich erstmal fast 30 Angebote zu erhalten und dann noch mit einer Preisspanne von 475 EUR bis 9.700 EUR. Für das GLEICHE Umzugsgut, aber wohl nicht für den GLEICHEN Service.

Wir hatten gestern Abend einen sehr kostbaren, weil lustigen Moment auf dem Sofa in der einen Hansestadt, kostbar weil die letzten beiden Tage in der anderen Hansestadt mit Kisten packen, Regale abbauen, Staub und Tränen abwischen verbracht wurden und viel zu wenig gelacht wurde, und haben uns über die zum Teil sehr phantasievollen Namen der Umzugsfirmen amüsiert. Wir waren fast versucht, den Umzug nur des Namens wegen entweder an Tetris (die müssten ja wissen, wie sie in einen Citroen Berlingo einen 240l Kühlschrank, zwei Billy-Regale nebst Trockner und 40 Umzugskartons strategisch stapeln), Deluxe (oh lala, das klingt ziemlich nach Extra-Service, sanft und sorgfältig oder so) oder an BOSS (der MUSS ja Bescheid wissen) zu vergeben. Oder noch schöner: ein Umzugsunternehmen mit dem Namen AVATAR. Hätten wir nach Pandora gewollt, wir hätten keinen Moment gezögert. Am schönsten fanden wir, dass wir ein sogar sehr gutes Angebot von einem Umzugsunternehmen mit dem Nachnamen des Bagelmannes erhalten haben. Na so ein Zufall!

Ansonsten gestehe ich, dass ich dem Bagelmann gerade überhaupt keinen Grund zum Lachen gebe. Es ist ganz, ganz fürchterlich mit mir. Ich mutiere momentan zu DER Dramaqueen schlechthin, kenne mich selbst nicht mehr, finde mich absolut UNTRAGBAR und bin geschockt, wie unnormal ich bin. Ich meine, ich habe schon des Öfteren Phasen in meinem Leben gehabt, in denen ich an mir gezweifelt habe. Moment. Ok, eigentlich ist das ganz schön oft der Fall. Aber tatsächlich stellt es sich grade so dar, dass ich in der Diskussion, ob ein Regal in seine Einzelteile zerlegt werden soll oder nicht, oder ob man jetzt noch gemeinsam kurz eine Tasse Tee zusammen trinkt oder aus Zeitgründen eben nicht, vom sachlichen (=0) sofort auf eine sehr emotionale (=100) Ebene komme und dann nur noch weglaufen will. Ihn da stehen lassen wo ich meine, dass ich störe. Fliehen vor mir und meiner Unverhältnismäßigkeit. SO ein drastisches emotionales Chaos ist selbst mir fremd. Dem Bagelmann sowieso. Er hat gestern aus lauter Hilflosigkeit ob meines unverständlichen Verhaltens die Hände zum Himmel gereckt und gerufen, dass es sich doch nur um einen Umzug handelt, wir ansonsten keine Probleme haben, gesund sind, uns lieben und sich alle Arme, Beine und Ohren noch am Körper befinden. Wo denn also gerade mein Problem sei.

Er hat ja so Recht. Wir haben nicht vor, eine Mondlandung zu vollbringen, wir fliegen nicht ins All, wir brechen auch nicht nach Pandora auf. Wir ziehen um. Punkt. Es gibt also eigentlich nicht wirklich ein Problem, außer dem Druck meinen Viechern ein neues Zuhause zu suchen, das ist tatsächlich ein Problem. Aber auch das schaffen wir. Weil, wir schaffen alles. Isso. Und vielleicht mutiere ich dann von der Dramaqueen doch noch zur Meerjungfrau und komme zur Feier des Anlasses mit blauen Haaren um die Ecke.

Die kleine Meerjungfrau ist die jüngste und anmutigste der sechs Töchter des Meerkönigs. Sie hat, wie alle Meermenschen, keine Füße, sondern einen Fischschwanz. Sie besitzt als einzige die Marmorstatue eines Jünglings, welche im Meer versunken ist. Durch Erzählungen von der Oberfläche („Die Blumen duften und die Fische [= Vögel] singen wunderbar“) weckt ihre Großmutter weiter die Sehnsucht nach der Menschenwelt. Mit fünfzehn Jahren dürfen die Töchter nachts hinauf und am Strand liegen – die älteren Schwestern, welche früher dieses Alter erreichen, erzählen ihr Wunderdinge von der lärmenden beleuchteten Stadt, den Vögeln, dem Sonnenuntergang, Kindern und Eisbergen. Als sie endlich selbst das Alter erreicht, steigt sie empor und beobachtet die Matrosen auf einem Schiff – am besten gefällt ihr aber der Prinz mit den dunklen Augen, der gerade seinen sechzehnten Geburtstag feiert. Als das Schiff wegen eines Sturms sinkt, erinnert sich die Meerjungfrau, dass Menschen nur tot auf den Meeresgrund gelangen können, und bringt den Prinzen an den Strand.
Sie beobachtet, wie ein Mädchen ihn findet, und ist traurig, dass sie sich anlächeln – der Prinz weiß schließlich nicht, wer ihn gerettet hat. Die Meerjungfrau findet heraus, wo das Schloss steht, und besucht die Gegend immer wieder. Sie erfährt, dass die Meermenschen im Gegensatz zu den normalen Menschen keine Seele besitzen, die nach ihrem Tod in die Luft aufsteigt – die einzige Möglichkeit, eine solche zu erlangen, ist, von einem Menschen geliebt zu werden. So begibt sie sich zur Meerhexe, die sie bisher stets fürchtete, und lässt sich einen Trunk brauen, der ihr Beine wachsen lässt statt ihres Fischschwanzes. Die Verwandlung ist jedoch unumkehrbar – sie wird nie wieder zu ihrem Vater und ihren Schwestern zurückkehren können. Falls sich der Prinz nicht in sie verliebt, bekommt sie keine unsterbliche Seele und wird zu Schaum auf dem Meere werden. Außerdem muss sie ihre Stimme hergeben. Stumm trifft sie also den Prinzen und wird von ihm in sein Schloss geführt.
Dort bleibt sie bei ihm, aber der Prinz liebt nur das unbekannte Mädchen, das er am Strand sah und für seine Retterin hält. Später stellt sich heraus, dass dieses Mädchen die Prinzessin des Nachbarkönigreichs ist, und der Prinz heiratet sie. Da der erste Sonnenstrahl nach seiner Hochzeitsnacht der kleinen Meerjungfrau den Tod bringen soll, geben ihre Schwestern ihr den Rat, den Prinzen zu töten: Das würde sie wieder in ein Meerwesen verwandeln und retten. Sie bringt es aber nicht fertig, springt ins Wasser und löst sich in Schaum auf. Dabei stirbt sie jedoch nicht, sondern verwandelt sich in einen Luftgeist. Damit hat sie die Möglichkeit, durch gute Handlungen eine unsterbliche Seele zu erlangen und so an dem „ewigen Glück der Menschen“ teilzuhaben.
Quelle: Wikipedia.org